Fürther Nachrichten - 5. April 2002 - [B0204051]

Fährt ein Zug bis Leichendorf?

Grüne wollen bis zum Betrieb der neuen U-Bahn-Linie die Biberttrasse reaktivieren - Teilweiser Abbau von Gleisen durchkreuzt Pläne - Privatinitiative soll Dieseltriebwagen einsetzen

ZIRNDORF (egr) - Lässt in absehbarer Zeit eine private Eisenbahn-Initiative einen Zug von Zirndorf-Leichendorf über Altenberg, Gebersdorf und Stein zum Nürnberger Hauptbahnhof fahren? Die Grünen möchten mit einer "Regionalbahn R72" die alte Bibertbahn-Trasse reaktivieren, bis in rund zwölf Jahren die U-Bahn in den Landkreis braust. Doch der Abbau von Gleisen hat ihre Pläne durchkreuzt.

Als vor kurzem schwere Maschinen in der Zirndorfer Neptunstraße anrollten und auf rund 800 Meter Länge die Schienenstränge aus dem Schotterbett hoben, stöhnten die Anhänger von öffentlichen Nahverkehrsverbindungen auf. Wie berichtet, hat der Landkreis zugestimmt, dass die Stadt Zirndorf just auf diesem Abschnitt der stillgelegten Bibertbahn ihre Zufahrt für die Hallenbad-Baustelle einrichtet.

Doch damit seien alle Entlastungsmöglichkeiten der parallel zur Bahn verlaufenden Rothenburger Straße "kaputt gemacht worden", klagt der Noch-Kreisrat und neue Zirndorfer Grünen-Stadtrat Norbert Schikora.

Bei Nacht und Nebel

Die durchgängige Schienenverbindung in den Ballungsraum sei in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" gekappt worden. Der Kreisverband bastelt seit längerem an einem Konzept, wie die Bewohner des südlichen und westlichen Kreises einen günstigen Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz bekommen. Umsteigen tut Not: Prognosen sagen eine Steigerung des Verkehrs auf der Rothenburger Straße von über einem Drittel in naher Zukunft voraus, berichtet Kreisverbandssprecher Wolfram Schaa.

Durch die ausgeweisenen Neubaugebiete in den westlichen Gemeinden seien künftig mehr Pendler zu erwarten. Ein öffentliches Angebot rentiere sich aber nur, so Schaa und Schikora, wenn der Zug vom Nürnberger Hauptbahnhof uneingeschränkt bis Zirndorf-Leichendorf rolle - dort stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Doch ausgerechnet die Gleise zwischen dem Altenberger Bahnhof und Leichendorf fehlen jetzt.

Dennoch wollen sich die Grünen nicht entmutigen lassen. Zwar habe man nichts gegen den Bau der U3 einzuwenden, doch sei dies ein teures und zeitintensives Verfahren, erinnert Norbert Schikora. Bis die Linie in "vielleicht 15 Jahren" tief unter der ehemaligen Bibertbahnstrecke in Betrieb sei, müsse die oberirdische Trasse genutzt und gesichert werden.

Eine Privatinitiative könne etwa ab den Jahren 2004/2005 Dieseltriebwagen im Halbstundentakt einsetzen. Bis dahin sollten vordringlichste Gleissanierungen notwendige Arbeiten durchgeführt werden. Die Regionalbahn 72 würde von Leichendorf über Altenberg bis Gebersdorf fahren und dort einen südöstlichen Schwenk nach Stein machen. Dieser könnte in etwa zehn Jahren stillgelegt werden, so die Grünen-Pläne, wenn die U-Bahn dann ab Gebersdorf die direkte Linie über Großreuth zum Hauptbahnhof nimmt.

egr - 5. April 2002

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Quelle: Scan [B0204052] ex [XP_GSZLG]




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